Auszeit.

„Ich habe noch nie sagen können, was ich sagen wollte. Zwar habe ich fast immer sagen können, was ich wollte, aber das hat nie ausdrücken können, was ich sagen wollte. Ich umkreise es, ich reiße es an, ich schramme knapp daran vorbei. Sprache ist das Scheitern, das man formuliern kann. Das ist doch immerhin auch schon etwas, könnte man sagen, und das ist eben auch alles, was man sagen kann…. Sprache ist ein Scheitern, das der Rede wert ist.“

So heißt es in einem meiner Lieblingstexte eines deutschen Wortgenies, das fälschlicherweise immer wieder in die Schublade Schlagerstar gesteckt und damit eindeutig unterschätzt wird. Seine Zeilen schlichen sich in den letzten drei Monaten immer wieder in meine Gedankengänge ein:

Ja, so machtvoll Worte auch manchmal sein können – unglaublich schön berührend, erbarmungslos verletzend, messerscharf beschreibend – es gibt Situation, in denen sie nur einen Hauch von dem wiedergeben können, was wir wirklich fühlen. Die Rede ist von Situationen, die uns völlig ergreifen und mitnehmen, weil so viel Gefühl darin liegt. Vielleicht schaffen wir es in solchen Momenten mit der richtigen Aneinanderreihung von Buchstaben eine Idee der Wirklichkeit entstehen zu lassen, doch dieses Abbild ist blasser als die von uns empfundene Realität und die Konturen bleiben unscharf.

Wie hilflos steht man plötzlich da, wenn einem buchstäblich die Worte fehlen um sich auszudrücken? Dann doch lieber einfach mal die Klappe halten. „Ich verstehe dich!“, wird so zu einer Floskel, die wir als gut gemeinte Hilfestellung unseres Gegenübers akzeptieren, aber unter Notlüge verbuchen.

Erst mit der Zeit gelingt es nach und nach das Geschehene in Worte zu fassen: Vielleicht notieren wir uns erst nur einige Wortgruppen oder einzelne Sätze. Vielleicht suchen wir ab und an noch das passende Synonym, aber irgendwann gelingt uns eine „Geschichte“ zu formulieren, die wir aufschreiben oder erzählen können. Sie ist immer noch nicht perfekt, aber mit dem nötigen Abstand zu ihrem Ursprung reicht sie aus, um die Erlebnisse gebührend zu beschreiben. Deshalb spricht man wohl so häufig von dem befreienden Gefühl des Autors, der nach einer Phase der Verarbeitung endlich die richtigen Worte findet, um auszuschreiben, was ihn lange beschäftigt hat.

So entstehen Bücher – und manchmal eben auch endlich wieder ein paar Blogeinträge nach einer langen Pause.

Keystroke.

52 weiße und 36 schwarze – 88 Tasten liegen also vor dir: Ein großes Tier, das seine Zähne bleckt. Während die meisten so glatt sind, dass man geradezu abrutscht, wenn man die Finger auf ihre Kuppen stellt, sind es oftmals eher die wie Waisenkinder behandelten schwarzen Tasten, die sich mehr nach Holz und aus irgendeinem Grund angenehmer anfühlen. Vielleicht liegt es daran, dass sie weniger schrill und eher für die traurigen Zwischentöne verantwortlich sind.

Doch egal, welche Kombination aus schwarz und weiß wir wählen – der Beginn eines Stückes ist der Befreiungsschlag eines jeden Pianisten: Wenn der Hammer die Saite berührt ist es als würden alle Gefühle, die wir in diesem Moment in uns tragen, durch den Arm bis in den Finger strömen und schließlich in jenem Ton liegen, der erklingt. Wer genau zuhört, erkennt dort kleine Schreie, große Verletzungen, ungestüme Wut, zitternde Angst, naive Fröhlichkeit oder unbändige Liebe. Wie durch ein Ventil tritt unser Innerstes nach außen, wird frei gelegt und hörbar.

Wer mit der nötigen Leidenschaft spielt, spielt sich frei, spielt alles raus. Ja, vielleicht schmerzen die Sehnen vor Anstrengung, drohen die Saiten sogar zu reißen, doch wenn der letzte Ton versiegt, kehrt mit der Stille auch die Erschöpfung und Leere in den Spielenden ein. Der Sturm ist vorbei: Was gesagt werden musste, wurde in der dafür erforderlichen Klangfarbe gesagt.

Musik konsumieren ist eine Sache, Musik wirklich hören noch einmal eine andere. Aber Musik machen – das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Soziale Mathematik.

Als Martin mich fragte, ob ich hier mitschreiben möchte habe ich ihn gewarnt: viel positiver Moment-genießen-Gedankenkrams geht mir zur Zeit nicht durch den Kopf. Was mir sonst so durch den Kopf geht, ich so mache & wer ich bin: dazu später.

Erstmal: Wo ist die Momentfreude, das Schnuppern, das Lachen, die Tränen und die Wut geblieben?

Bei mir werden sie von Enttäuschung gefressen. Immer wieder, mal hat sie mehr, mal hat sie weniger Hunger.

Kürzlich war ein eine gute Freundin nicht da als sie gebraucht wurde. Sie hatte vorher versprochen da zu sein. Und es steht auch nicht zur Diskussion, ob sie in diesem Moment rein OBJEKTIV betrachtet hätte da sein müssen. Sie hat nicht reagiert, nicht geholfen, keine Gefühle gezeigt und dadurch ihre kalte Schulter offenbart.

Warum reagiere ich, die ich gar nicht direkt betroffen war nun verletzt? Warum lasse ich mich zerfressen?

Weil ich für die Hand voll Leute, die in meinem Herzen sind, sterben würde. Nach Sibirien reisen. Umzugskisten vom sechsten in den sechsten Stock tragen. Alle Verabredungen und Termine absagen. Würde, wenn ich könnte, wenn ich sollte.

Manchmal soll ich es, manchmal mache ich es. Um am Ende, genau, alleine da zu stehen. Das ist nicht neu. Neu ist folgendes:

Eine Stunde mit einem “Freund”, sozialen Kontakt, bringt mir Small-Talk, Informationen die ich nicht brauche, im seltensten Fall, fast nie, einige neue Einsichten in die Welt, andere oder mich.

Eine Stunde in einem Büro, mit Zeiterfassung, bringt mir eine gute Zahl an Euro.

Nach der Stunde mit dem Freund mache ich mir eventuell Gedanken. Sorge mich um ihn, melde mich bei ihm und bekomme: Offensichtlich nichts.

Nach der Stunde auf Arbeit mache ich mir keine Gedanken oder Sorgen. Gehe nach Hause und bekomme: ein fettes Gehalt, je länger ich da war.

Das ist zur Zeit meine Mathematik. Sie klingt hart, sie wird keinen ewigen Bestand haben, irgendwann muss ich wieder philosophieren, Scheiß erzählen, gemeinsam shoppen oder ins Kino gehen. Aber bis dahin: erstmal Bündel für Bündel, um es mit Azad zu sagen.

Konsequent.

Warum stellt man alles in Frage und probiert sie dann mit allem zu verteidigen Fotowas man hat?  Dickköpfe können schwer einen Konflikt aus dem Weg gehen. Am Ende hat man nur sich selbst. Quatsch. Das Ende ist noch weit entfernt. Ohne Konflikte & Meinungsverschiedenheiten wäre die Menschheit nicht dort wo sie heute steht. Gefährlich wird es erst dann, wenn man Still wird. Zu schwach ist sich gegen die Anschuldigungen zu wehren. Sich gegenseitig “labern” lässt. Es hält einen am Leben, man spürt das man noch kämpft, mit sich, mit der Welt. Die Power im Herz alles durchstehen zu können ist groß. Ich bin noch nie der Typ gewesen einen Konflikt zu scheuen. Auch wenn es mein Leben nicht gerade einfach macht. Ich ecke oft an, verteidige meine Meinung oft bist aufs Messer. Bin ehrlich, meist zu ehrlich. Einfach mal die Fresse halten, war bei mir noch nie an der Tagesordnung.

Trying to find a balance.

Ich muss dich auf Händen tragen damit du für immer bei mir sein kannst //
Nur du hast diese Beziehung gerettet weil du über Monate auf mich standst. //
Wir sind wie Bonnie und Clyde auf der Suche nach unserer Vergangenheit //
In dir hab ich meine Zukunft gefunden ich muss nur dran bleiben //