Selbstmord.

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Warum singen so vieler meiner musikalischen Helden von Selbstmord? Egal ob Casper, Prinz Pi oder Curse. Scheinbar ist unsere Generation von Selbstzweifel zerfressen. Es gibt definitiv viele Gebiete in denen wir verzweifeln können. Wenn wir den Druck in der Schule nicht gewachsen sind. Wenn wir Liebeskummer haben und keinen Ausweg mehr sehen. Wenn die eigene Arbeit nicht gewürdigt wird. Wenn ein geliebter Mensch stirbt. Momente an denen Menschen zerbrechen können. Der Gedanke tötet und dann einen endgültigen Schlussstrich ziehen. Viele sagen, diese Art wäre Feige. Man stiehlt sich aus der eigenen Verantwortung.

Was ist aber wenn man zu sehr geliebt hat, wenn es wirklich keinen Ausweg mehr gibt? Ich glaube Selbstmord hat etwas mit Stolz und Kraft zu tun. Irgendwann ist das Fass, was man Kraft nennt leer. Ich selbst kenne niemanden persönlich der sich umgebracht hat. Ich kenne in meinem Umfeld aber ein paar Personen die es probiert haben. Ein Hilfeschrei? Ich kann es auch nach 10 Jahren noch nicht wirklich deuten.

Trotzdem ein Mensch ist frei in seiner Entscheidung. Wenn es der eigene Wille ist und man zu 100% bei Verstand ist, dann soll jeder auch über seinen eigenen Tod frei entscheiden können. Übrigens ist Selbstmord ein bescheuerter Begriff.  

Der Mensch ist elektrisch, seit du Weg bist bin ich ohne Strom. 

// Ja mir geht es gut. //

Dieser Artikel wurde von Martin geschrieben.

Martin ist Admin von Farbwolke.de / Twitgriller & Gedankenverdreher. Er ist ein Twitter-Fan und mag es Fotos zu machen. Man kann sein Portfolio auf martin-neuhof.com anschauen. Wer mit dem Autor reden möchte kann auch gerne über Facebook Kontakt aufnehmen.

11 Responses

  • In der Wissenschaft wird der Begriff Selbstmord auch nicht mehr genutzt, sondern Suizid. Außerdem find ichs immer kritisch in so wenigen Worten über Suizid zu schreiben. Und ich finde man sollte es auch nicht machen, weil empirisch bewiesen ist, dass nach Infos über Suiziden (bsp. der vom Enke) immer mehr Menschen einen Suizid verüben.
    Suizid hat imo auch nicht mit Kraft zu tun. Suizid scheint oft der letzte Ausweg zu sein, wenn man sich in schlimmen Situationen befindet oder anderweitig krank ist und einen Suizid begeht ohne zu wissen was man da tut.

    Kann dir aber gerne ein Buch empfehlen, wenn du dich wirklich für das Thema interessierst. ;)

    • Aber es gibt keine öffentliche Diskussion über dieses Thema was ich unglaublich schade finde. Nur weil einer einen Suizid verübt, gibt es mehr Suizide? Kann ich mir ehrlich gesagt sehr schwer vorstellen. Oder geht es dann nach der Devise “der hat sich getraut, nun mach ich es auch?” . Und ist es dann mit Schwangerschaften genauso? Sie ist schwanger geworden, nun möchte ich auch? Klar denkt man in der Situation mehr über dieses Thema nach – aber das es dann dadurch vermehrt auftritt? Für mich gerade, schwer vorstellbar.

  • Es ist aber wissenschaftlich erwiesen. Google mal nach dem Werther-Effekt. Vllt findest du ja auch Zahlen vor dem Suizid von Enke und danach. Es ist definitiv so. Ich schreib grad eine hausarbeit darüber, deswegen hab ich mich auch schon damit beschäftigt.
    Bzw. schau hier: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/werther.html

  • Es hat insofern etwas mit Kraft zutun, dass man sagen kann: Jemand hat in einer bestimmen Situation zu wenig Kraft. Ich bin Rettungsassistent und habe schon viele Leute gesehen die es geschafft haben, viele die es versucht haben und noch mehr die es angedroht haben. Die die es geschafft haben, die haben es nicht groß an die Glocke gehängt. Die, die das ganze ankündigen wollen meistens ja endlich mal gehört werden und suchen in irgendeiner Weise Hilfe.
    Ich drifte aber glaube ich grade auch etwas ab. Muss Nadine recht geben, kein Thema das man mal eben so abhandeln kann.

  • martin, danke für das thema und die (wie ich finde “richtigen”) gedanken dazu….

  • Ja Selbstmord ist ein interesantes tabthema. Mein gelieber Onkel hat sich in seienr Fabrik aufgehangen.Als er erfahren hat das er unheilbar Krank ist hat er sich von jeden in der familie verabschiedet. er ist extra 500 km nach leipzig gefahren um das zu machen und danach hat er es gemacht. Er hat einen abschiedsbrief hinterlassen in dem stand warum r es gemacht hat. Er wollte nicht leiden und schmerzen haben er hatte bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich finde das es nicht feige ist freiwillig aus dem leben zu scheiden wenn man nicht mehr weiter weiß oder kann oder schwer krank ist. es ist immer noch ein thema worüber keiner gerne reden will und einfach thema durch und fertig geht bei dem thema nicht. Jeder hat das recht über sein leben zu entscheiden auch wenn er aus dem lebens scheiden will.
    Lg Conny

  • Oh man Martin, schön, dass du dich auch mal an so ein schwieriges aber wichtiges Thema wagst!
    Ich bin überzeugt, dass ein Suizid aus Verzweiflung kein Beweis von Kraft sein kann, sondern eben der Ausdruck, das Symptom der Verzweiflung ist (zumindest glaube ich nicht, dass sich ein Mensch, der einen Selbstmord vollzieht, als kraftvoll oder mutig erlebt)- alles wird so schwarz, dass kleine Lichtblicke der Hoffnung untergehn. Somit glaube ich, dass Menschen die sich “suizidieren”, wie man so schön distanziert sagt, eigentlich nicht sterben wollen- sie wollen weg, weil sie es nicht mehr aushalten- den Schmerz, die Gedanken, das Leben… Ich finde es wichtig, für dieses Thema zu sensibilisieren, damit sich anbahnende Suizidpläne durch Freunde und Angehörige unterbrochen werden können. Soviel zum ernsten Teil.

    Zum Begriff “Selbstmord” fällt mir der eher lyrische Begriff des “Freitods” ein, der dann eher für Martins Hypothese sprechen würde jedoch in seiner “heldenhaften Form” wohl eher nicht auf die Mehrheit der Suizide trifft. Die tragische Figur Goethes ist meiner Meinung nach der Innbegriff des “Freitods”, da zwar sicher auch Verzweiflung ein Motiv war, aber wohl v.a. die absolute Überzeugung, die eine große Liebe verloren zu haben ausschlaggebend war und der Wunsch, mit dem selbstgewählten Tod den eigenen Idealen treu zu bleiben.
    Ob es sich in den Leiden des jungen Werther und den Texten deiner musikalischen Helden nun um die überspitzte Darstellung der Wirklichkeit handelt oder Suizide tatsächlich so motiviert sein können, bleibt weiter zu diskutieren.

  • Dieses “100% bei Verstand” sein, ist für mich der größte Knackpunkt – das sind nämlich meiner Meinung nach in so einem Fall die wenigsten, dafür sorgen zahlreiche Krankheiten der Psyche…

  • ach ja und zum Thema des Werther- Effekts: es kommt auf das Wie der Berichterstattung an, also es gibt bestimmte Do´s und Dont´s die diesen Effekt hervorrufen aber eben auch verhindern können. Von “Kraft” zu sprechen oder die betroffene Person als Helden darzustellen ist eher Fehl am Platz, stellt man jedoch den Tod als Verzweiflungstat dar und gibt gleichzeitig Infos über Möglichkeiten zur Hilfe in solchen Situationen oder Erfahrungsberichte von Helfern, ist das durchaus positiv und kann Betroffenen sogar helfen und präventiv wirken. Zudem wird ein öffentliches Bewusstsein für das Thema geschaffen mit der Wirkung, dass Krankheiten wie Depression weniger tabuisiert werden und man sich nicht dafür schämen muss, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

  • Es ist merkwürdig: ich habe gestern Abend 10 Seiten in einem Buch gelesen, in dem es um das Thema gedanklichen Selbmord ging und heute schaue ich auf deine Seite und sehe diesen Beitrag. In der Textstelle geht es darum, dass man durch eine Passfälschung wegen Emigration, etc. eine andere/keine Identität annimmt. Remarque schrieb zum Thema:
    “Ich hatte zwar Bankrott gemacht, aber ich brauchte keine Schulden zu übernehmen. Ich war frei. Das ich dieser Jahr hatte Selbstmord begangen, als ich die Grenze überschritt. Es war keine Rückkehr. Ich war tot, ein anderes Ich lebte und es lebte von geschenkter Zeit. Keine Verantwortung war mehr da. Das Gewicht fiel ab. [...] Die Möglichkeit zum Selbstmord ist eine Gnade, deren man sich nur selten bewusst wird. Sie gibt einem die Illusion des freien Willens. Und wahrscheinlich begehren wir mehr Selbstmorde, als wir jemals ahnen. Wir wissen es nur nicht.”
    Es ist wie gesagt nich 100% passend zum Eintrag, da es ja eher um radikale Einschnitte im Leben geht. Aber die Tatsache, dass ich es gestern Abend gelesen habe, hat mich dazu bewogen, es zu schreiben.

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