Kleine Momente KW#40

Heute keine Punkte, stattdessen:

What i am to you is not real
What i am to you you do not need
What i am to you is not what you mean to me
You give me miles and miles of mountains
and i’ll ask for the sea

Keystroke.

52 weiße und 36 schwarze – 88 Tasten liegen also vor dir: Ein großes Tier, das seine Zähne bleckt. Während die meisten so glatt sind, dass man geradezu abrutscht, wenn man die Finger auf ihre Kuppen stellt, sind es oftmals eher die wie Waisenkinder behandelten schwarzen Tasten, die sich mehr nach Holz und aus irgendeinem Grund angenehmer anfühlen. Vielleicht liegt es daran, dass sie weniger schrill und eher für die traurigen Zwischentöne verantwortlich sind.

Doch egal, welche Kombination aus schwarz und weiß wir wählen – der Beginn eines Stückes ist der Befreiungsschlag eines jeden Pianisten: Wenn der Hammer die Saite berührt ist es als würden alle Gefühle, die wir in diesem Moment in uns tragen, durch den Arm bis in den Finger strömen und schließlich in jenem Ton liegen, der erklingt. Wer genau zuhört, erkennt dort kleine Schreie, große Verletzungen, ungestüme Wut, zitternde Angst, naive Fröhlichkeit oder unbändige Liebe. Wie durch ein Ventil tritt unser Innerstes nach außen, wird frei gelegt und hörbar.

Wer mit der nötigen Leidenschaft spielt, spielt sich frei, spielt alles raus. Ja, vielleicht schmerzen die Sehnen vor Anstrengung, drohen die Saiten sogar zu reißen, doch wenn der letzte Ton versiegt, kehrt mit der Stille auch die Erschöpfung und Leere in den Spielenden ein. Der Sturm ist vorbei: Was gesagt werden musste, wurde in der dafür erforderlichen Klangfarbe gesagt.

Musik konsumieren ist eine Sache, Musik wirklich hören noch einmal eine andere. Aber Musik machen – das steht auf einem ganz anderen Blatt.

Tränen.

Ich hab in meinen Leben schon viele Menschen kennengelernt. Es waren nicht alle Nett zu mir. Viele sind lockere Bekanntschaften. Ich würde von mir selbst behaupten ich hätte eine ganz gute Menschenkenntnis. Viele haben keine konkrete Linie in ihren Leben. Können sie für keine Seite entscheiden.

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Du bist so echt. Du verstellst dich nicht. Du weinst wenn du weinen musst. Du versteckst nichts. Du denkst deine Tränen würden mich belasten. Dabei zeigen sie mir nur, wie du bist. Nein keine Heulsuse. Eine Frau die ihre Gefühle zeigt, die mit ihren Tränen Freude oder Trauer ausdrückt. Du stehst zu deinen Gefühlen, egal ob es den anderen gerade passt. Ich wollte die 100% mit dir. Du gibst mir diese 100%. Du bist wahrscheinlich die Person in meinem Leben die mit einen einzelnen Kuss alles wieder gut machen kann.

Verstell dich nicht. Bleib wie du bist.

Kleine Momente KW#39

  • Menschenkino im Kaffeehaus
  • WG-Leben
  • Lesefieber
  • spontane Jazznacht mit Bigband und Till Brönner in der Oper
  • Lieblingsjahreszeit:

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

(Rilke)

Keine Liebeserklärung.

Ich war 15 oder 16, als wir uns das erste Mal trafen. Oder ich dich das erste Mal sah.

Bist du einsam?

Ich habe nicht ja gesagt. Dazu bin ich zu stolz, dazu war ich schon damals zu stolz. Wir haben uns zum Abschied die Hand gegeben, ich bin nach Hause gegangen.

Die Hand geben, was für eine altmodische Geste von dem fremden Schulkameraden, der gerade meine empfindlichste rosa Traumblase zerstochen hat.

Ich glaube die Tränen auf den ersten Metern waren der Anfang. Natürlich, episch, auch ein Ende.

In dem Moment, wenn dich jemand fragt, ob du einsam bist, bist du es schon nicht mehr.

Ich war 16. Unschuldig würde ich es nennen, wenn das nicht so falsch klinge. Null Zynismus, etwas Arroganz (klar), keine Berechnung.

Seit diesen ersten Tränen sind wegen deiner Worte viele weitere geflossen. Viel Wodka, Zigaretten, natürlich habe ich auch deinetwegen zum ersten Mal eingeatmet.

Natürlich war es kindisch. Dieser Text ist kindisch. Für dich zu viel, kitschig, Teenager-Proll-Drama gegen Adorno? Ja, aber deswegen haben wir nie behauptet, einander zu genügen.

Es ist heute vorbei, nichts mehr kindisch, kein Schmerz, keine Eifersucht, Interesse, sicher, keine Neugier, viel Nostalgie.

Ich frage mich nur, nach den paar Jahren: Wenn ich deine Texte lese, von Zigaretten und Blut in abgefuckten Hotelzimmern,

Wo sind die Jahre?

You can’t start a fire…

I get up in the evening
and I ain’t got nothing to say
I come home in the morning
I go to bed feeling the same way
I ain’t nothing but tired
Man I’m just tired and bored with myself
Hey there baby, I could use just a little help

(…)

Stay on the streets of this town
and they’ll be carving you up alright
They say you gotta stay hungry
hey baby I’m just about starving tonight
I’m dying for some action
I’m sick of sitting ’round here trying to write this book
I need a love reaction
come on now baby gimme just one look

You can’t start a fire sitting ’round crying over a broken heart
This gun’s for hire
Even if we’re just dancing in the dark
You can’t start a fire worrying about your little world falling apart
This gun’s for hire
Even if we’re just dancing in the dark
Even if we’re just dancing in the dark
Even if we’re just dancing in the dark

Froh dabei zu sein.

Ich hab zwar kein Vermögen,
doch aber Leute die mich mögen,
und außerdem ist da ein Mädchen das mich liebt,
ich weiß nicht, ob es auf der Welt was bessres gibt,
zwischen all dem Sturm und Regen,
bin ich auch viel im Sonnenschein,
auch wenn die Angst vorm Sterben weh tut,
bin ich froh, froh dabei zu sein.

Wenn ich irgendwann mal gehen muss,
dann halte bitte meine Hand,
ich will wirklich nicht alleine sein,
wenn die Reise los geht, in dieses unbekannte Land,
bin in Flüsse gesprungen, egal wo wir waren,
hab soviel gesehen, von der Welt in den Jahren,
egal was danach kommt, wohin wir auch gehen,
wünsch ich nichts mehr, als dich dort wieder zu sehn,
ich hab furchtbar Angst vorm Tod,
ich hoff wir sind dort nicht allein,
auch wenn das Leben so oft traurig ist,
bin ich froh, froh dabei zu sein.

Danke an Philipp Poisel für diesen tollen Text.

H2O Verschwörung – Warum ich ein Loch in der Zimmerdecke habe.

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In letzter Zeit komm ich mir öfters vor, als wär ich im Kino. Leider bin ich nicht der Zuschauer sondern scheinbar der Hauptdarsteller. Erst vor ein paar Wochen die Sache mit dem iPhone und jetzt diese –neue- großartige Sache. Ich schlafe, es ist so gegen 8 Uhr. Ich wundere mich warum mein Gesicht einen kleinen Wasserspritzer abbekommt. Werde also sofort wach und denke – Ach du scheiße?! Es tropft aus meiner Zimmerdecke. Schnell ins Bad gerannt einen Eimer geholt – dann meinen Mitbewohner geweckt – Panik. Schnell zu unseren Nachbarn  über uns gelaufen. Geklingelt – “Nein bei mir ist nichts Nass.”

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Hausverwaltung im Urlaub, Hausmeister ging nach 20 Minuten dann auch ans Telefon. 15 Uhr!! kam dann ein Klempner, der entfernte die große Wasserblase und schnitt meine Zimmerdecke (Gipsbeton) auf – Ursache noch immer unklar. Scheinbar soll es doch der Nachbar über uns gewesen sein. Man muss schauen was dabei jetzt herauskommt. Ich muss wohl ein paar Tage / Wochen mit dem Loch in der Decke leben.

Arschloch – Tag! Danke!

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Dann eben Savas.

NSFW – Darum.

Nun ist es nicht so, dass ich erst seit gestern Rapmusik höre. Bisher hat sich das, gut, ich muss jetzt die nicht-Hip-Hop-Crowd unter den Lesern einweihen: eher auf die so genannten “Conscious”-Rapper beschränkt, die also irgendeinen sinnvollen Quark in die Welt droppen und deshalb von mir für hörbar befunden wurden.

Drehen wir das Rad des Rap weiter, habe ich gelernt nicht nur auf Lyrics, sondern den “Flow”, die “Beats” und dieses ganze Drum-dings-rum-Zeug – ja, ich glaube die Fachsprache hört sich komplett cool nach pubertierenden Teenagern an der örtlichen Bushaltestelle an – zu achten.

Dementsprechend ist der Inhalt des Songs nicht mehr Nummer eins, wenn es um die Titelauswahl geht.

Beste Beispiele der letzten Monate: Mac Miller und mein neuerlicher Gefallen an Snoop Dogg. Alles ohne Beat wird kurzerhand als Mädchenmukke abgetan. (UND JETZT WAGT JA KEINER DIESEN POISEL AUF DEN PLAN ZU BRINGEN! Inkontinentes Weichei, das in zehn Jahren so beliebt sein wird wie Reinhard Mey bei DEINER MUTTER – und der klingt wenigstens nicht nach Nasennebenhöhlenentzündung.)

Ding is. Erschreckend. Ich steh auf die John Bello Story 3 von Kool Savas. Von vorne bis hinten (oder sollte man in diesem Fall sagen von vorne und hinten? Baby, LMS?)

Jungs (und Mädels, aber ihr haltet mich doch eh schon für total verloren in den unmoralischen Abgründe der wasauchimmer) ich steh jetzt nicht unbedingt auf Gangbangen oder ins-Gesicht-spritzen. Aber: wenn der Alte das mag, ist es immer noch am ehrlichsten es zu sagen, bevor du nackt auf dem Satin-Bett in deinen besten Dessous aufbereitet da liegst und fünf männliche Genitalien dein Gesicht umrahmen. Deshalb lass ich den Mann rappen wie er spricht.

Das dazu. Jetzt will ich ab und zu dieser Welt erklären, dass ich mich trotz meines unfeministischen Musikgeschmacks über Gabriel Garcia Marquez und Ist-die-Demokratie-wirklich-die-sinnvollste-Staatsform austauschen möchte. Aber welcher Die-Zeit-am-Sonntag-bei-Rührei-Leser macht bitte dann diesen Aufwachsoundtrack mit?

Kleine Momente KW#38

  • Kino im Alleingang
  • blumige Überraschungen am Morgen
  • mit Cat Power im Auto die Landschaften vorbeiziehen sehen
  • Wiedersehen am Bahngleis
  • Geburtstagsanrufe, -nachrichten, -gesten, -geschenke, -gäste
  • Mittagessen im Warmen – außen wie innen
  • Wipsy-Revival-Treffen
  • Feiern mit Freunden
  • Herbstgefühle
  • Augen-Blicke
  • Anfänge der Idee einer Möglichkeit