Aus einem Buch…

“Lass es mich klarstellen:

  1. Was du mir bedeutest, bedeutet mir mindestens so viel wie das, was ich dir bedeute.
  2. Gerade weil du mir so viel bedeutest, bedeutet es mir viel, dass auch ich dir möglichst viel bedeute.
  3. Hättest du mir nicht so viel bedeutet, wäre es mir egal gewesen, wie viel ich dir bedeute.
  4. Da es mir aber keineswegs egal ist, bedeutet dies, dass du mir so viel bedeutest, dass es mir nicht egal sein kann, wie viel ich dir bedeute.
  5. Wüsstest du, wie viel du mir bedeutest, dann könntest du verstehen, warum ich meine Bedeutung für dich nicht verlieren will.
  6. Fazit eins: Du wusstest offenbar nicht, wie viel du mir bedeutest.
  7. Fazit zwei: Vielleicht weißt du es jetzt.
  8. Ich bin müde. Gute Nacht.”

If I pull it together – make it sooner than later.

Ein Toast auf die Arroganz der Liebenden! Nun – auf die Arroganz der Anne.

Ein Screenshot meiner Playlist, die nach seinem Anfangsbuchstaben benannt ist, sagt alles.

Kurzfassung: Ich bin ein Wochenende nach dem Umzug in die Stadt gefahren aus der ich kam, weil er vorher am Telefon so lieb klang, und man absehbar nicht bald so viel Zeit zusammen gehabt hätte. So viel Zeit zusammen, in der er feststellt, dass er in eine andere verliebt ist. Während wir gerade fast 48 Stunden in einer Wohnung waren. Zu zweit.

Selbstzweifel? Gott sei Dank habe ich keine Zeit dafür.

Gleichgültigkeit, komm doch bitte vorbei.

Und ersetz diesen abgrundtiefen Hass und Schmerz, der nur will, dass du NIE eine bessere findest, das selber MORGEN einsiehst, es dir beschissen und dreckig geht und du eigentlich erkennst, was du an mir hattest. Und noch jahrelang dieses Wochenende und diese Entscheidung bereuen wirst.

Ja, da ist nicht mehr viel Respekt auf meiner Seite geblieben. Aber das letzte Mal als ich gezwungen wurde jemanden nicht abzuschreiben, bin ich noch zur Schule gegangen und habe mich ein Jahr lang durch die Pflicht-Kaffeepausen gequält. Weil die vor dem Schmerz schon Pflicht waren (dann sind wir Freunde geworden).

Selbst das, Höflichkeitskontakte, Pflichtveranstaltungen und Freundeslisten gönne ich dir nicht. Einfach weil ich versucht habe, dir zu zeigen, wie ich denke, wie manche anderen Frauen denken, wohin DU denken kannst und was man sonst noch machen kann. Weil ich dich mag, weil ich etwas sehe, was du nicht bist, aber das du werden kannst, wenn du es willst.

Ich will deine Zukunft nicht mehr sehen.

Kardiologie.

Ich möchte jeden Sonntag mit dir frühstücken. Bis immer. Ich möchte so oft wie möglich in deinen Armen einschlafen. Ich möchte dich lachen sehen. Immer wieder. Und irgendwann mit dir in diesem Restaurant sitzen.

Ich möchte L.A. und meine Freunde in San José besuchen. Sonnenbaden. Ich möchte Südamerika kennen lernen. Spanisch fließend sprechen. An einem warmen Ort leben. Arme Länder sehen und aus unserer Realität heraus fallen. Alles abbrennen, so wie Clooney, um am Ende frei sein zu können.

Aber was ist Freiheit ohne Heimat?

Ich spüre wie sich meine zwei Herzkammern langsam voneinander weg bewegen. An verschiedenen Tischen im Restaurant sitzen, und dem Kellner, dem Kopf zubrüllen, für sie zu verhandeln. Und der Arsch nimmt nur ‘ne Aspirin und verlässt schweigend den Raum.

Profis.

IMG_1191-BearbeitetIn der eigenen Selbstdarstellung sind wir alle mittlerweile zu Profis mutiert. Wir lachen in die Kamera und schauen gleich cool, die Bilder werden doch eh auf Facebook landen. Also verstellen wir uns, schreiben Texte die super Intelligent klingen damit man auch richtig tiefsinnig wirkt. Damit man selbst strahlen kann. Man wählt sich die Leute, die man fotografiert, so aus, damit man ja ein Stückchen mehr Anerkennung als beim letzten mal bekommt. Wir lächeln, flirten, arbeiten, twittern, chatten nur um uns mitzuteilen. Für die kurzen 15 Minuten Ruhm, quatsche ich ständig, teile Videos, Musik & Zitate.

Wir senden ständigen Nachrichten aus der Welt hinaus. Dabei vergisst man was einen selbst ausmacht. Man hört auf, sich selbst zu hinterfragen. Manchmal sehne ich mich nach der Stille, die es nicht in der Stadt gibt. Kein Ton, kein Geräusch, kein iPhone, kein Facebook, nur Martin. 

Happiness is not real unless it is shared. – Christopher McCandless

Auszeit.

„Ich habe noch nie sagen können, was ich sagen wollte. Zwar habe ich fast immer sagen können, was ich wollte, aber das hat nie ausdrücken können, was ich sagen wollte. Ich umkreise es, ich reiße es an, ich schramme knapp daran vorbei. Sprache ist das Scheitern, das man formuliern kann. Das ist doch immerhin auch schon etwas, könnte man sagen, und das ist eben auch alles, was man sagen kann…. Sprache ist ein Scheitern, das der Rede wert ist.“

So heißt es in einem meiner Lieblingstexte eines deutschen Wortgenies, das fälschlicherweise immer wieder in die Schublade Schlagerstar gesteckt und damit eindeutig unterschätzt wird. Seine Zeilen schlichen sich in den letzten drei Monaten immer wieder in meine Gedankengänge ein:

Ja, so machtvoll Worte auch manchmal sein können – unglaublich schön berührend, erbarmungslos verletzend, messerscharf beschreibend – es gibt Situation, in denen sie nur einen Hauch von dem wiedergeben können, was wir wirklich fühlen. Die Rede ist von Situationen, die uns völlig ergreifen und mitnehmen, weil so viel Gefühl darin liegt. Vielleicht schaffen wir es in solchen Momenten mit der richtigen Aneinanderreihung von Buchstaben eine Idee der Wirklichkeit entstehen zu lassen, doch dieses Abbild ist blasser als die von uns empfundene Realität und die Konturen bleiben unscharf.

Wie hilflos steht man plötzlich da, wenn einem buchstäblich die Worte fehlen um sich auszudrücken? Dann doch lieber einfach mal die Klappe halten. „Ich verstehe dich!“, wird so zu einer Floskel, die wir als gut gemeinte Hilfestellung unseres Gegenübers akzeptieren, aber unter Notlüge verbuchen.

Erst mit der Zeit gelingt es nach und nach das Geschehene in Worte zu fassen: Vielleicht notieren wir uns erst nur einige Wortgruppen oder einzelne Sätze. Vielleicht suchen wir ab und an noch das passende Synonym, aber irgendwann gelingt uns eine „Geschichte“ zu formulieren, die wir aufschreiben oder erzählen können. Sie ist immer noch nicht perfekt, aber mit dem nötigen Abstand zu ihrem Ursprung reicht sie aus, um die Erlebnisse gebührend zu beschreiben. Deshalb spricht man wohl so häufig von dem befreienden Gefühl des Autors, der nach einer Phase der Verarbeitung endlich die richtigen Worte findet, um auszuschreiben, was ihn lange beschäftigt hat.

So entstehen Bücher – und manchmal eben auch endlich wieder ein paar Blogeinträge nach einer langen Pause.

Alles.

Wie einfach es wäre, jetzt zu beschreiben was sich in den letzten Wochen alles verändert hat. Ja, ich arbeite, in einer Grafikagentur. Ja, wir haben eine neue Mitbewohnerin. Aber darum geht es mir gerade nicht. Mir geht es darum, meine Zeit, die ich jetzt noch habe, intelligent zu nutzen.

Mein Leben zu intensivieren, mich selbst für die nächsten Schritte fit zu machen. Ich muss positiver werden, nur durch eine gute Ausstrahlung, färbe ich auf mein Umfeld ab.  Begegne ich Menschen, aufgeschlossen, werden sie mir mit einem Lächeln antworten. Gucke ich Tag ein, Tag aus, Griesgrämig auf die nasse Straße, werde ich gar keine Antworten erhalten.

Jeder von uns, brauch ein Stückchen Hoffnung. Geben wir unsere Hoffnung auf die Weiterentwicklung auf, können wir uns begraben. Die Intensivierung, der alten und neuen Werte, kostet Kraft. Ich hab aber das Gefühl es könnte sich lohnen.

Aufhören nachzudenken, sondern machen.

Tränen.

Ich hab in meinen Leben schon viele Menschen kennengelernt. Es waren nicht alle Nett zu mir. Viele sind lockere Bekanntschaften. Ich würde von mir selbst behaupten ich hätte eine ganz gute Menschenkenntnis. Viele haben keine konkrete Linie in ihren Leben. Können sie für keine Seite entscheiden.

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Du bist so echt. Du verstellst dich nicht. Du weinst wenn du weinen musst. Du versteckst nichts. Du denkst deine Tränen würden mich belasten. Dabei zeigen sie mir nur, wie du bist. Nein keine Heulsuse. Eine Frau die ihre Gefühle zeigt, die mit ihren Tränen Freude oder Trauer ausdrückt. Du stehst zu deinen Gefühlen, egal ob es den anderen gerade passt. Ich wollte die 100% mit dir. Du gibst mir diese 100%. Du bist wahrscheinlich die Person in meinem Leben die mit einen einzelnen Kuss alles wieder gut machen kann.

Verstell dich nicht. Bleib wie du bist.

Ich such doch gar nix.

Eins.

Gedämmtes Licht, keine Musik, der Geruch der letzten Zigarette in der Luft. Jede Entfernung der Körperteile voneinander weg wie ein Faden, der nicht reißen will. Eine Nacht lang, die Zigarette schüchtern danach, bis zum Morgengrauen.

Ein gutes Frühstück. Eine Anzeige. Ein Anrufbeantworter. Eine Frau.

Well done, dear. You got me there.

Zwei.

Deine Nachricht kommt unerwartet, aber das kommen sie immer. Sie ist anzüglich, aber das sind sie immer. Die Ausnahme diesmal: dein Smiley grinst nicht, er lächelt mich auf der Touchscreen-Oberfläche an. Was ist los, hat die Monogamie dich lieb gemacht oder vermisst du nur den Sex (mit mir) zu sehr?

Anyway, ich lass mich gerne auf eine Mittelmeerinsel einladen, falls du es ernst meinst.

Höfliches nachhaken. Keine Antwort. Weitere Nachrichten, keine Entschuldigung, weitere Vorschläge und immer der Unterton. Stört zwar nicht, aber ich bin nun mal kein Fan von leeren Worten wenn es um horizontale Taten geht.

Drei.

Als ich “Brasilianer” höre schmelze ich förmlich dahin. Du brauchst also nichts mehr anstellen, nimm mich einfach hier und jetzt.

Gut… äh. Okay, dass du es tatsächlich versuchst, auf einer Homeparty bei der jegliche Zimmerschlüssel fehlen hätte ich nicht gedacht. Aber immerhin durften jetzt vier bis fünf (?) Leute feststellen, dass ich auch nackt auf dem Boden mit einem Sitzsack bekleidet eine (würdelose) gute Figur abwerfe. Fuck, it was totally worth it.

Moral:

Ich bin ja nicht einmal auf der Suche nach dem Richtigen. Und habe schon… das (siehe oben). Was zur Hölle würde passieren, wenn ich ernsthafte Paarungs- und Fortpflanzungsrituale initiieren würde?

Soziale Mathematik.

Als Martin mich fragte, ob ich hier mitschreiben möchte habe ich ihn gewarnt: viel positiver Moment-genießen-Gedankenkrams geht mir zur Zeit nicht durch den Kopf. Was mir sonst so durch den Kopf geht, ich so mache & wer ich bin: dazu später.

Erstmal: Wo ist die Momentfreude, das Schnuppern, das Lachen, die Tränen und die Wut geblieben?

Bei mir werden sie von Enttäuschung gefressen. Immer wieder, mal hat sie mehr, mal hat sie weniger Hunger.

Kürzlich war ein eine gute Freundin nicht da als sie gebraucht wurde. Sie hatte vorher versprochen da zu sein. Und es steht auch nicht zur Diskussion, ob sie in diesem Moment rein OBJEKTIV betrachtet hätte da sein müssen. Sie hat nicht reagiert, nicht geholfen, keine Gefühle gezeigt und dadurch ihre kalte Schulter offenbart.

Warum reagiere ich, die ich gar nicht direkt betroffen war nun verletzt? Warum lasse ich mich zerfressen?

Weil ich für die Hand voll Leute, die in meinem Herzen sind, sterben würde. Nach Sibirien reisen. Umzugskisten vom sechsten in den sechsten Stock tragen. Alle Verabredungen und Termine absagen. Würde, wenn ich könnte, wenn ich sollte.

Manchmal soll ich es, manchmal mache ich es. Um am Ende, genau, alleine da zu stehen. Das ist nicht neu. Neu ist folgendes:

Eine Stunde mit einem “Freund”, sozialen Kontakt, bringt mir Small-Talk, Informationen die ich nicht brauche, im seltensten Fall, fast nie, einige neue Einsichten in die Welt, andere oder mich.

Eine Stunde in einem Büro, mit Zeiterfassung, bringt mir eine gute Zahl an Euro.

Nach der Stunde mit dem Freund mache ich mir eventuell Gedanken. Sorge mich um ihn, melde mich bei ihm und bekomme: Offensichtlich nichts.

Nach der Stunde auf Arbeit mache ich mir keine Gedanken oder Sorgen. Gehe nach Hause und bekomme: ein fettes Gehalt, je länger ich da war.

Das ist zur Zeit meine Mathematik. Sie klingt hart, sie wird keinen ewigen Bestand haben, irgendwann muss ich wieder philosophieren, Scheiß erzählen, gemeinsam shoppen oder ins Kino gehen. Aber bis dahin: erstmal Bündel für Bündel, um es mit Azad zu sagen.

Dear Grandma,

ich fühle mich schlecht. Ich melde mich viel zu selten bei dir. Seitdem du nach HannoveMix-(143-von-209)-Bearbeitetr gezogen bist, haben wir eigentlich so gut wie gar keinen Kontakt mehr. Früher in meiner Kindheit, warst du noch ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich bin immer nach der Grundschule zu dir gekommen und du hast mir etwas leckeres gekocht. Wir haben zusammen “Familienduell” oder “der Preis ist heiß” geguckt. Kurz vor Weihnachten durfte ich die ganzen Räuchermenschen aus dem Zeitungspapier wickeln und sie alle in eine Reihe stellen. Wenn ich das erledigt hab, hast du mir oft einen geschenkt und ich hab mich riesig gefreut. Du warst ein großer Teil meiner Kindheit.  Das letzte was ich dir gutes getan hab, war eine Blume die ich dir vor 2 Jahren zum Frauentag geschenkt habe.

Heute lebst du in Hannover, bei deiner Tochter.
Heute hat mich dein Sohn angerufen.
Heute hast du einen Schlaganfall erlitten.

Ich bin innerlich so zerrüttet das mir nur noch diese Zeilen helfen. Hoffentlich geht es dir bald besser. Ich drücke alle Daumen dieser Welt, das man die verlorene Zeit vielleicht doch noch etwas aufholen kann. Gute Besserung. Ich hoffe ich sehe dich bald.

Bis bald.
Dein Martin