Kleine Momente KW#37

  • Verträge unterzeichnen
  • jemandem durch das Verschicken von Fotos ein Lächeln ins Gesicht zaubern
  • Friendship Manifesto von September Leaves im Briefkasten finden
  • beim Arbeiten nicht auf die Uhr gucken
  • ein Abend als literarisches Quartett
  • die beste Freundin der Welt haben
  • ernsthafte, junge Männer – mit so vielen kleinen Gesten
  • gemeinsame Erinnerungen an die ersten Momente der Zweisamkeit
  • Rettungsaktionen, Brombeereierkuchen und ganz viel Geduld
  • eine kurze, kleine, aber fantastische Nachricht vom Lieblingsmitbewohner
  • der wohlbehalten zurückgekehrte Seemann
  • “Die Frau des Zeitreisenden” zum 9. Mal angucken und es immernoch lieben
  • wenn der Tag ein Ende findet nach Hause gebracht werden
  • hinterm Steuer sitzen und bei offenem Fenster: “Wir gehen mit Sand in den Schuhen und Salz auf der Haut und Wind in den Haaren nach Haus….”, mitsingen

Fundstück: Nähe.

Vor zwei Tagen zeigte mir jemand nachfolgenden Text. Er schwirrte irgendwo in den Weiten des Internets, weshalb mir leider auch der Autor nicht bekannt ist. Jedoch war: “Genau… manchmal fühlt es sich genau so an!”, meine Reaktion nach dem ersten Lesen und deshalb möchte ich ihn ein einfach gern weitergeben. Denn wie immer sind es die kleinen Dinge….

“Und dann kommst du nach Hause, ziehst deinen Schlafanzug an, der nach Lenor riecht. Gehst barfuß leise ins Schlafzimmer. Kriechst unter deine Bettdecke. Er hat sie für dich aufgeschüttelt. Und dann hältst du den Atem an, um seinen Atem zu hören. Seinen Schlaf-Atem. Regelmäßig und tief. Hin und wieder mit einer sanften Schnarchbeimischung, die um diese Zeit dein Herz so rührt, dass dir Tränen in die Augen steigen im dunklen Zimmer. Und dann raschelst du laut mit der Bettdecke, hustest ein bisschen, und schiebst deinen Fuß rüber auf seine Seite, um ihn heftig, aber gerade noch sanft genug gegen die Wade zu treten, um nachher behaupten zu können, du hättest dich lediglich im Schlaf bewegt. Weil, wenn er dann halbwegs aufwacht, geschieht das Wunderbare: Dann tastet er nach dir, zieht dich an sich, auf seine Seite, in seine Arme, an seine Brust, die der schönste Ort der Welt ist, grunzt irgendetwas Unverständliches, was nichts zur Sache tut, aber sehr, sehr freundlich klingt und legt seine Wange in die kleine, stets warme, stets duftende Vertiefung zwischen deinem Hals und deiner Schulter und schläft wieder ein. Und du fühlst dich zu Hause und geborgen vor allem Übel, getröstet von allem Kummer, befreit von allen Sorgen. Es gibt nichts Besseres als Liebe. Das ist so.”

Kleine Momente KW#36

  • kreatives Aufeinandertreffen alter Bekannter
  • zu Zweit die Nacht sprengen
  • Arbeiten ohne Durchatmen
  • Zusagen und dadurch weniger in der Luft hängen
  • Gedankenanstöße per SMS
  • im Auto durch die Nacht fahren
  • die WG-Jungs
  • mit den Eltern frühstücken
  • Improvisationstheater
  • Ablenkungsmanöver auf 400km Entfernung
  • kleine Geständnisse

Ohne Wiederholung.

“Ich bete jeden Tag für ein Leben ohne Wiederholung. Ich bete jeden Tag für ein Leben ohne Wiederholung.”, schreibt ein deutscher Autor und sorgt in seinem Text damit für selbige. Recht hat er allerdings, denn wer möchte sie schon in seinem Leben haben – die Wiederholung?

Natürlich kann ein kleines bisschen Routine auch ihren Reiz haben: Keine Veränderung – keine Umstellung – kein Risiko. Manchmal sind Rituale sogar wichtig, um uns in die richtige Stimmung zu bringen, etwas besonders zu zelebrieren, oder eine gewisse Anstrengung zu vermeiden und trotzdem möchte keiner ein Leben wie in “Täglich grüßt das Murmeltier”, welches uns die Möglichkeit auf Überraschungen jeglicher Art nimmt. Kleine und große Abweichungen sind wichtig, denn jede Kassette, die immer wieder zurückgespult und von Neuem abgespielt wird, fängt irgendwann an zu leiern.

Wahrscheinlich sind sich alle einig, dass Wiederholung besonders dann furchtbar ist, wenn es um schmerzhafte, traurige oder andere unschöne Erlebnisse geht. Wer will schon erleben, dass man erneut belogen, betrogen oder verlassen wird. Dabei sind sich ständig wiederholende Ereignisse am Grausamsten, wenn man dachte sie bereits hinter sich gelassen zu haben und der Spirale entkommen zu sein. Plötzlich sitzt man wieder beim Arzt, bekommt wieder die gleiche Diagnose, oder verliert wieder das Vertrauen in eine/ einer Person, obwohl man es sich erst mühevoll wieder erkämpfen musste.

Aber auch schöne Erlebnisse leiden nur an Wiederholungen: Jedes Treffen mit der noch so interessantesten Person verliert an Glanz, wenn es immer gleich abläuft und eine Liebeserklärung erhält den faden Beigeschmack der Gleichgültigkeit, falls sie, routiniert ausgesprochen, die besondere Bedeutung der Worte verschluckt.

Mit enormer Liebe zum Detail versehene Menschen könnten jetzt ein: “Aber ein Moment kann doch nie völlig dem anderen gleichen!” entgegnen und wären nicht einmal im Unrecht, aber es geht um das große Ganze!

Da hilft kein “beten für ein Leben ohne Wiederholung”, da hilft nur das Leben selbst in die Hand nehmen, aufstehen und losrennen!

Kleine Momente KW#35

  • Mittagessen mit Aussicht
  • dem Vortrag von Prof. Dr. Nasher lauschen
  • ein lustiger Abend zu 5.
  • wieder aufeinander zugehen
  • eine nächtliche Entführung in eine andere Stadt
  • Hotelbetten
  • im Zug sitzend das Land vorbeiziehen sehen
  • Berlin
  • die wieder vollständige WG
  • der alten Schule einen Besuch abstatten
  • Menschenkino zum Samstagnachmittag
  • Livemusik
  • trotz Hitze tanzen, tanzen, tanzen
  • Essen bis zum Platzen
  • unerwartete Offenbarungen

Kleine Momente KW#34

  • im Theater tränen lachen
  • Kinobesuche
  • Brillen ausprobieren und viel Spaß haben
  • sich gegenseitig Aufheitern
  • Spaziergänge
  • Überraschungen
  • Postkarten bekommen
  • ein bisschen romantisch sein dürfen
  • mit dem Mitbewohner Zeit verbringen
  • sich kennen lernen
  • Herbstwetter
  • Nähe

Gedanken zur Nacht #1449

Auf dem Heimweg aus dem Büro verzögerte eine rote Ampel mein Ankommen im Ziel.

Während ich da stand und wartete, musste ich plötzlich an und über dich nach-denken.

Ich frage mich, ob du das vielleicht auch manchmal tust – aber mein letzter Schluckauf ist schon eine ganze Weile her.

Proxemik.

“Nennen Sie die vier bekanntesten Distanzzonen des Menschens und ordnen Sie Ihnen die für unsere Kultur geltenden Zentimeterangaben zu!”, lautete eine der Prüfungsfragen meiner Lieblingsprofessorin im zweiten Semester. Die Antwort kennen inzwischen nicht nur Schüler, die das Glück haben Sozialkunde, oder Psychologie als Unterrichtsfach belegen zu können: Öffentliche Distanz (über 360 cm), Soziale Distanz (120 bis 360 cm), Persönliche Distanz (45 bis 120 cm) und schließlich die Intimdistanz, welche darunter liegt. Gemeint ist damit also der Abstand zweier Körper, den wir – abhängig vom Verhältnis, in dem wir zu unserem Gegenüber stehen – als angenehm empfinden. Dieser variiert natürlich von Kultur zu Kultur, aber auch von Mensch zu Mensch. Die meisten von uns wissen jedoch “einfach aus dem Bauch heraus”, wie viel Nähe sich noch gut anfühlt.

Andere leider nicht: Diese zwanghaften Küsschengeber zur Begrüßung – und weils so schön war auch noch einmal zum Abschied. Der Mann, der sich an der Schlange im Supermarkt so extrem deinem Rücken nähert, dass du denkst er möchte dir gleich in den Nacken beißen. Die Frau, die dir in einem eigentlich leeren Aufzug so unglaublich nahe kommt, dass du am liebsten noch einen Schritt zurück gehen würdest, wäre da nicht schon eine Wand im Weg. Und die Horde Jugendlicher, die sich auf der Rolltreppe ganz eng an dir vorbeischiebt, sodass die erste Bewegung reflexartig dem Schutz deines Tasche gilt. Abgesehen von diesen fremden Menschen gibt es dann noch diese typischen “Bekannten”, die uns ständig während des Gesprächs auf die Schulter klopfen, das Bein berühren oder unseren Arm streifen müssen. All diese Situationen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – zeichnen sich dadurch aus, dass uns ein unangenehmes Gefühl ereilt, denn jemand bricht in unsere intime Zone ein, ohne dass er dort erwünscht ist.

Hat sich ein Mensch jedoch erst einmal durch Gespräche, Zuneigung, Freundschaft, Vertrauen oder gar Liebe den “Zutritt” in unsere letzte Distanzzone verschafft, fühlt es sich alles andere als unangenehm an: Diese Nähe wird wichtig, sie dient uns als Ausdrucksmittel der Verbindung und (un-)bewusst suchen wir sie von da an immer und immer wieder.

Denn eine Umarmung, das Anlehnen an einer Schulter oder das Ineinanderlegen zweier Hände sprechen oft genau dann, wenn Worte nicht mehr ausreichen.

Kleine Momente KW#33

  • ein fesselndes Buch verschlingen
  • stundenlanges Menschenkino im Cafè
  • positive Bewerbungsrückmeldungen und spannende Telefoninterviews
  • eine “Ich bin stolz auf dich”-E-Mail
  • warme Brezeln und frisch gepresster Orangensaft in der WG-Küche
  • die Haare wieder lang wachsen lassen
  • Sommerregen, Sommergewitter, Herbstanwandlungen
  • Grillen mit vielen bekannten Gesichtern
  • musikalische Spaziergänge
  • Familienabend auf der neuen Terrasse
  • ein leises Knistern und AugenBLICKE
  • im Improtheater lachen bis die Luft weg bleibt
  • kleine Meldungen zur Nacht

Let the good times…

Gedankenblase.de wieder rauskramen und unter diesem Namen weiterbloggen? Warum etwas wieder aufleben lassen, was vor einigen Jahren aufgegeben wurde? Das sind vielleicht die ersten Fragen, die man sich stellt, wenn man noch weiß, dass es dieses Gemeinschaftsblogprojekt schon einmal gegeben hat.

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau: Vielleicht war es einfach meine Art Martin zu überreden auch mal wieder über private Dinge zu schreiben. Vielleicht wollte ich auch nur dieses T-Shirt mal wieder tragen, welches mir die ehemaligen Autoren vor vier Jahren zum Geburtstag geschenkt haben. Vielleicht, weil ein Gemeinschaftsblog eben doch mehr Spaß macht als wenn man sich alleine in seinen Gedanken suhlt. Vielleicht, weil wir gerade zusammen wohnen. Vielleicht, weil wir es eventuell bald nicht mehr tun.

Sicher ist jedoch, dass wir nicht mehr ganz auf die alte Konstellation kommen: 2 Autoren sind geblieben, 2 gegangen und eventuell kommen dafür neue Gesichter, denn dieses Projekt hat schon früher von seinen ganz unterschiedlichen Schreiberlingen gelebt. Etwas, das nicht nur uns, sondern hoffentlich auch dem Leser Spaß macht.

Kehren wir nun also zurück in das Wohnzimmer der Gedanken, setzen uns auf das Sofa und leben uns wieder neu ein!