Weltenwanderer

Er spricht über Menschen, die ich nicht kenne. Regisseure, die mir nichts sagen, Autoren, die ich vergessen habe, Stücke, die wenige sehen. Er spricht von Philosophen und Konzepten und dass wir alle nicht sind, was wir scheinen.

Sie spricht über Aussehen, und ich weiß nicht was sie meint. Sie meint Größe, Haarfarbe, Kleidung, Job, Drinks und Hobbies. Sie meint Autos, Wohnungseinrichtungen, Lebensläufe (MBA da, Doktor dort, Firma A, Firma B). Sie legt Wert darauf, sie sollen passen, die Dinge – und das Aussehen. Ich weiß gar nicht, warum. Ich finde es lustig.

Er meckert über sein Praktikum, über das Hamsterrad, er will darüber reden, aber er weiß nicht wie. Will er es verlassen? Ja, Ausland, schon, machen ja alle – aber nur deswegen? Ich meine, er soll es lassen und da bleiben.

Sie erzählt von ihrem Investmentfonds, den sie gekündigt hat. Sie hat gesehen, was “die Reichen” mit “den Armen” gemacht haben. Sie will es ändern, es verbessern, die Welt alleine auf ihren Schultern tragen. Che Guevara, gut, der darf helfen. Sie hat nichts gelesen, will doch darüber reden und Dinge bewegen.

Manchmal sprechen wir alle dieselbe Sprache. Einen Abend lang. Weil wir danach weiter gehen. Und es ein schöner Abend war.

If I pull it together – make it sooner than later.

Ein Toast auf die Arroganz der Liebenden! Nun – auf die Arroganz der Anne.

Ein Screenshot meiner Playlist, die nach seinem Anfangsbuchstaben benannt ist, sagt alles.

Kurzfassung: Ich bin ein Wochenende nach dem Umzug in die Stadt gefahren aus der ich kam, weil er vorher am Telefon so lieb klang, und man absehbar nicht bald so viel Zeit zusammen gehabt hätte. So viel Zeit zusammen, in der er feststellt, dass er in eine andere verliebt ist. Während wir gerade fast 48 Stunden in einer Wohnung waren. Zu zweit.

Selbstzweifel? Gott sei Dank habe ich keine Zeit dafür.

Gleichgültigkeit, komm doch bitte vorbei.

Und ersetz diesen abgrundtiefen Hass und Schmerz, der nur will, dass du NIE eine bessere findest, das selber MORGEN einsiehst, es dir beschissen und dreckig geht und du eigentlich erkennst, was du an mir hattest. Und noch jahrelang dieses Wochenende und diese Entscheidung bereuen wirst.

Ja, da ist nicht mehr viel Respekt auf meiner Seite geblieben. Aber das letzte Mal als ich gezwungen wurde jemanden nicht abzuschreiben, bin ich noch zur Schule gegangen und habe mich ein Jahr lang durch die Pflicht-Kaffeepausen gequält. Weil die vor dem Schmerz schon Pflicht waren (dann sind wir Freunde geworden).

Selbst das, Höflichkeitskontakte, Pflichtveranstaltungen und Freundeslisten gönne ich dir nicht. Einfach weil ich versucht habe, dir zu zeigen, wie ich denke, wie manche anderen Frauen denken, wohin DU denken kannst und was man sonst noch machen kann. Weil ich dich mag, weil ich etwas sehe, was du nicht bist, aber das du werden kannst, wenn du es willst.

Ich will deine Zukunft nicht mehr sehen.

Kardiologie.

Ich möchte jeden Sonntag mit dir frühstücken. Bis immer. Ich möchte so oft wie möglich in deinen Armen einschlafen. Ich möchte dich lachen sehen. Immer wieder. Und irgendwann mit dir in diesem Restaurant sitzen.

Ich möchte L.A. und meine Freunde in San José besuchen. Sonnenbaden. Ich möchte Südamerika kennen lernen. Spanisch fließend sprechen. An einem warmen Ort leben. Arme Länder sehen und aus unserer Realität heraus fallen. Alles abbrennen, so wie Clooney, um am Ende frei sein zu können.

Aber was ist Freiheit ohne Heimat?

Ich spüre wie sich meine zwei Herzkammern langsam voneinander weg bewegen. An verschiedenen Tischen im Restaurant sitzen, und dem Kellner, dem Kopf zubrüllen, für sie zu verhandeln. Und der Arsch nimmt nur ‘ne Aspirin und verlässt schweigend den Raum.

Glaubst du das wirklich?

Wir haben uns jetzt echt eine Weile nicht mehr gehört.

Ich fand dich früher ganz, na ja, unterhaltsam. Du warst halt mit in der Gruppe Menschen, mit denen ich mich ab und an umgab. Du hast mich, glaube ich, immer ein bisschen (mehr als) gemocht.

Ich dich nicht.

Weil du damals a) unfähig warst, Kritik anzunehmen; b) die Schuld (für schlechte Klausuren, zu langsame Sprints und das Wetter) auf andere geschoben hast und c) mehr gequatscht als gemacht hast.

Nun erzählst du mir, dass du dein Studium abgebrochen hast, weil du nebenbei arbeiten musstest und deswegen nicht ordentlich studieren konntest. Du streitest ab, dass die Einraumwohnung für 500 Euro in Leipzig vielleicht etwas teuer ist, aber ärgerst dich gleichzeitig darüber, von deinen Eltern Geld annehmen zu müssen. Und du redest davon, ganz hoch hinaus zu wollen. Gut, Regionalleiter. Ich würde sagen, mittelhoch.

Wir haben uns seit Jahren nicht gesprochen. Es hat sich nichts geändert. Und das ist nichts Gutes.

Verlorene Seele.

Wenn du einen Raum betreten hast, wollte jeder dich ficken. Ich habe darüber nachgedacht, es anders auszudrücken. Aber 90% der Männer haben fast einen Ständer bekommen, wenn du angekommen bist. Ohne dass du besonders gut aussiehst.

Du bist auch intelligent. Sehr sogar. Man kann mit dir reden. Was heißt “man” – wir haben stundenlang gesprochen. Du warst meine zweite Seele. Ich habe mich bei dir zu Hause gefühlt, manchmal hast nur du mich verstanden.

Aber du hast erwartet, dass ich dich verstehe. Und dazu ist es nie gekommen. Ich habe dich fast schon geliebt. Und du bist mir immer ein Rätsel geblieben. Irgendwann haben wir angefangen, nicht mehr über dieselben Dinge zu reden. Ich bin weiter gegangen, du bist stehen geblieben. Und ich hoffte, dass dein Freund und seine Liebe dich fangen.

Er hat dich verlassen. Das heißt, ich weiß es nicht. Ihr habt euch getrennt. Für mich hat er dich verlassen, genau wie ich. Heute habe ich erfahren, dass du auch deinen Job nicht mehr machst. Nach zwei abgebrochenen Studiengängen.

Das, was ich gerade fühle, nachdem wir uns zwei Jahre nicht gehört haben und ich dir zum Abschied nur eine kalte Schulter gezeigt habe, ist kein Mitleid. Es ist trauer. Weil ich glaube, dass du verloren bist. Nicht weißt, wo du in dieser Welt hingehörst. Und gerade keine Liebe spürst. Das Wort klingt so ausgelutscht, aber ich meine nichts anderes.

Ich hoffe, dir geht es gut. Ich hoffe, dir wird es besser gehen. Und ich hoffe, du gibst nicht auf.

Weil das Leben kein Kampf sein darf.

Prinz Pi – Elfenbeinturm Video from Keine Liebe Records on Vimeo.

Breathe.

gasp.

It’ll be over soon.

gasp.

Luftholen.

gasp.

Anhalten.

gasp.

Die 120 Prozent, sie haben heute angeklopft. Tränen in den Augen.  Konzentration nur so am Rande.

gasp.

Endspurt. Morgen. Ich will, dass es klappt. Der ganze Tag muss klappen. Acht Stunden Bestform-Anne, bitte. Wenn möglich auch beim Glühwein danach.

gasp.

Geistesblitz: ich könnte hier bleiben, wenn ich wollte. Das Netzwerk, die Jobs, das Ansehen, … es wäre einfacher.

gasp.

Gedanken kommen nur noch in Blitzen. Werden vertagt auf “nach dem…”, wenn wieder mehr Zeit ist. Er.

gasp.

Der letzte Blitz für heute. Könnte heißen, dass es bald alles ändert. Nichts ändert. Mich ändert.

Ich hole Luft. Schließe die Augen. Schwimme nach unten und blicke hinab. Dort wo kein Tageslicht den Boden berührt.

Keine Liebeserklärung.

Ich war 15 oder 16, als wir uns das erste Mal trafen. Oder ich dich das erste Mal sah.

Bist du einsam?

Ich habe nicht ja gesagt. Dazu bin ich zu stolz, dazu war ich schon damals zu stolz. Wir haben uns zum Abschied die Hand gegeben, ich bin nach Hause gegangen.

Die Hand geben, was für eine altmodische Geste von dem fremden Schulkameraden, der gerade meine empfindlichste rosa Traumblase zerstochen hat.

Ich glaube die Tränen auf den ersten Metern waren der Anfang. Natürlich, episch, auch ein Ende.

In dem Moment, wenn dich jemand fragt, ob du einsam bist, bist du es schon nicht mehr.

Ich war 16. Unschuldig würde ich es nennen, wenn das nicht so falsch klinge. Null Zynismus, etwas Arroganz (klar), keine Berechnung.

Seit diesen ersten Tränen sind wegen deiner Worte viele weitere geflossen. Viel Wodka, Zigaretten, natürlich habe ich auch deinetwegen zum ersten Mal eingeatmet.

Natürlich war es kindisch. Dieser Text ist kindisch. Für dich zu viel, kitschig, Teenager-Proll-Drama gegen Adorno? Ja, aber deswegen haben wir nie behauptet, einander zu genügen.

Es ist heute vorbei, nichts mehr kindisch, kein Schmerz, keine Eifersucht, Interesse, sicher, keine Neugier, viel Nostalgie.

Ich frage mich nur, nach den paar Jahren: Wenn ich deine Texte lese, von Zigaretten und Blut in abgefuckten Hotelzimmern,

Wo sind die Jahre?

Dann eben Savas.

NSFW – Darum.

Nun ist es nicht so, dass ich erst seit gestern Rapmusik höre. Bisher hat sich das, gut, ich muss jetzt die nicht-Hip-Hop-Crowd unter den Lesern einweihen: eher auf die so genannten “Conscious”-Rapper beschränkt, die also irgendeinen sinnvollen Quark in die Welt droppen und deshalb von mir für hörbar befunden wurden.

Drehen wir das Rad des Rap weiter, habe ich gelernt nicht nur auf Lyrics, sondern den “Flow”, die “Beats” und dieses ganze Drum-dings-rum-Zeug – ja, ich glaube die Fachsprache hört sich komplett cool nach pubertierenden Teenagern an der örtlichen Bushaltestelle an – zu achten.

Dementsprechend ist der Inhalt des Songs nicht mehr Nummer eins, wenn es um die Titelauswahl geht.

Beste Beispiele der letzten Monate: Mac Miller und mein neuerlicher Gefallen an Snoop Dogg. Alles ohne Beat wird kurzerhand als Mädchenmukke abgetan. (UND JETZT WAGT JA KEINER DIESEN POISEL AUF DEN PLAN ZU BRINGEN! Inkontinentes Weichei, das in zehn Jahren so beliebt sein wird wie Reinhard Mey bei DEINER MUTTER – und der klingt wenigstens nicht nach Nasennebenhöhlenentzündung.)

Ding is. Erschreckend. Ich steh auf die John Bello Story 3 von Kool Savas. Von vorne bis hinten (oder sollte man in diesem Fall sagen von vorne und hinten? Baby, LMS?)

Jungs (und Mädels, aber ihr haltet mich doch eh schon für total verloren in den unmoralischen Abgründe der wasauchimmer) ich steh jetzt nicht unbedingt auf Gangbangen oder ins-Gesicht-spritzen. Aber: wenn der Alte das mag, ist es immer noch am ehrlichsten es zu sagen, bevor du nackt auf dem Satin-Bett in deinen besten Dessous aufbereitet da liegst und fünf männliche Genitalien dein Gesicht umrahmen. Deshalb lass ich den Mann rappen wie er spricht.

Das dazu. Jetzt will ich ab und zu dieser Welt erklären, dass ich mich trotz meines unfeministischen Musikgeschmacks über Gabriel Garcia Marquez und Ist-die-Demokratie-wirklich-die-sinnvollste-Staatsform austauschen möchte. Aber welcher Die-Zeit-am-Sonntag-bei-Rührei-Leser macht bitte dann diesen Aufwachsoundtrack mit?

Achillesferse.

Warnung: Dieser Artikel wurde unter serious emotional distress geschrieben.

Es wird immer häufiger.

Erst habe ich etwas nicht geschafft. Nicht geschafft, das heißt, nicht gemacht, das heißt “prokrastiniert”, das klingt lustig, ist es auch. Bis zur Abgabe, pressure makes diamonds, und am Ende wird’s eh alles gut.

Wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende.

Dann kommt jedenfalls das schlechte Gewissen. Da ich jetzt seit gut 6 Monaten zig Projekte mache, dazu zählt sowas Süßes wie eine Bachelorthesis und sowas Nerviges wie 100 Folien PowerPoint, geht weder die Prokrastination, noch der Zeitdruck und als letztes natürlich auch nicht das schlechte Gewissen weg.

Gewissen ist dabei nicht das moralische Etwas, das euch sagt, was richtig oder falsch ist.

Es ist das Gefühl etwas nicht geschafft zu haben, das eigentlich total irrelevant ist.

Na, jedenfalls: Die Achillesferse. Neuerdings beobachte ich häufiger eine gewisse Flüssigkeit in meine Augen steigen. Selten wegen der Arbeit. Meistens wegen irgendwelcher banalen Sachen. Kurze Gedankenblitze und ‘tschuldigung, ich muss dann mal auf Toilette. Dort sitze ich dann kurz, gönne mir zwei Minuten Selbstmitleid, denke kurz an eine nahe, ferne Zukunft GANZ WOANDERS und geh zurück ins Hamsterrad.

Urlaub? Brauch ich nicht. Pausen? Sind für Loser. Ich brauche irgendetwas, irgendjemanden der noch daran glaubt, dass hinter diesem Stapel Präsentationen, Ausarbeitungen und Studien ein Mensch steckt, für den es sich lohnt hier zu sein. Jemand der sagt, schade, geh nicht, ich werd dich vermissen.

Und es ernst meint.

(Nach dem ersten Gegenlesen: nein, ich rede hier nicht von Vampir werden oder sonstigen jenseitigen Zusammenhängen. Ich rede vom Jetzt. Nur nicht dem Hier.)

Lebensziel: Inneres Chi.

Dieses Ankacken von der Seite, diese schlechte Laune noch vor 10 Uhr am Morgen. Beim Bäcker, Postmann, der ersten Person, der du
außerhalb deiner Wohnung begegnest.

Warum lächelt in diesem Land niemand zurück,
wenn man freundlich ist?

Tief ausatmen können und die schlecht gelaunten Nachbarn, den wegfahrenden Busfahrer, die kaputte Einkaufstüte ignorieren.

Tief einatmen können, gerade hinstellen, innen frei vom Blick von außen.

Das wäre doch mal was.

(in einer Bilderparade bei LangweileDich.net mal gesehen)