Profis.

IMG_1191-BearbeitetIn der eigenen Selbstdarstellung sind wir alle mittlerweile zu Profis mutiert. Wir lachen in die Kamera und schauen gleich cool, die Bilder werden doch eh auf Facebook landen. Also verstellen wir uns, schreiben Texte die super Intelligent klingen damit man auch richtig tiefsinnig wirkt. Damit man selbst strahlen kann. Man wählt sich die Leute, die man fotografiert, so aus, damit man ja ein Stückchen mehr Anerkennung als beim letzten mal bekommt. Wir lächeln, flirten, arbeiten, twittern, chatten nur um uns mitzuteilen. Für die kurzen 15 Minuten Ruhm, quatsche ich ständig, teile Videos, Musik & Zitate.

Wir senden ständigen Nachrichten aus der Welt hinaus. Dabei vergisst man was einen selbst ausmacht. Man hört auf, sich selbst zu hinterfragen. Manchmal sehne ich mich nach der Stille, die es nicht in der Stadt gibt. Kein Ton, kein Geräusch, kein iPhone, kein Facebook, nur Martin. 

Happiness is not real unless it is shared. – Christopher McCandless

Glaubst du das wirklich?

Wir haben uns jetzt echt eine Weile nicht mehr gehört.

Ich fand dich früher ganz, na ja, unterhaltsam. Du warst halt mit in der Gruppe Menschen, mit denen ich mich ab und an umgab. Du hast mich, glaube ich, immer ein bisschen (mehr als) gemocht.

Ich dich nicht.

Weil du damals a) unfähig warst, Kritik anzunehmen; b) die Schuld (für schlechte Klausuren, zu langsame Sprints und das Wetter) auf andere geschoben hast und c) mehr gequatscht als gemacht hast.

Nun erzählst du mir, dass du dein Studium abgebrochen hast, weil du nebenbei arbeiten musstest und deswegen nicht ordentlich studieren konntest. Du streitest ab, dass die Einraumwohnung für 500 Euro in Leipzig vielleicht etwas teuer ist, aber ärgerst dich gleichzeitig darüber, von deinen Eltern Geld annehmen zu müssen. Und du redest davon, ganz hoch hinaus zu wollen. Gut, Regionalleiter. Ich würde sagen, mittelhoch.

Wir haben uns seit Jahren nicht gesprochen. Es hat sich nichts geändert. Und das ist nichts Gutes.

Auszeit.

„Ich habe noch nie sagen können, was ich sagen wollte. Zwar habe ich fast immer sagen können, was ich wollte, aber das hat nie ausdrücken können, was ich sagen wollte. Ich umkreise es, ich reiße es an, ich schramme knapp daran vorbei. Sprache ist das Scheitern, das man formuliern kann. Das ist doch immerhin auch schon etwas, könnte man sagen, und das ist eben auch alles, was man sagen kann…. Sprache ist ein Scheitern, das der Rede wert ist.“

So heißt es in einem meiner Lieblingstexte eines deutschen Wortgenies, das fälschlicherweise immer wieder in die Schublade Schlagerstar gesteckt und damit eindeutig unterschätzt wird. Seine Zeilen schlichen sich in den letzten drei Monaten immer wieder in meine Gedankengänge ein:

Ja, so machtvoll Worte auch manchmal sein können – unglaublich schön berührend, erbarmungslos verletzend, messerscharf beschreibend – es gibt Situation, in denen sie nur einen Hauch von dem wiedergeben können, was wir wirklich fühlen. Die Rede ist von Situationen, die uns völlig ergreifen und mitnehmen, weil so viel Gefühl darin liegt. Vielleicht schaffen wir es in solchen Momenten mit der richtigen Aneinanderreihung von Buchstaben eine Idee der Wirklichkeit entstehen zu lassen, doch dieses Abbild ist blasser als die von uns empfundene Realität und die Konturen bleiben unscharf.

Wie hilflos steht man plötzlich da, wenn einem buchstäblich die Worte fehlen um sich auszudrücken? Dann doch lieber einfach mal die Klappe halten. „Ich verstehe dich!“, wird so zu einer Floskel, die wir als gut gemeinte Hilfestellung unseres Gegenübers akzeptieren, aber unter Notlüge verbuchen.

Erst mit der Zeit gelingt es nach und nach das Geschehene in Worte zu fassen: Vielleicht notieren wir uns erst nur einige Wortgruppen oder einzelne Sätze. Vielleicht suchen wir ab und an noch das passende Synonym, aber irgendwann gelingt uns eine „Geschichte“ zu formulieren, die wir aufschreiben oder erzählen können. Sie ist immer noch nicht perfekt, aber mit dem nötigen Abstand zu ihrem Ursprung reicht sie aus, um die Erlebnisse gebührend zu beschreiben. Deshalb spricht man wohl so häufig von dem befreienden Gefühl des Autors, der nach einer Phase der Verarbeitung endlich die richtigen Worte findet, um auszuschreiben, was ihn lange beschäftigt hat.

So entstehen Bücher – und manchmal eben auch endlich wieder ein paar Blogeinträge nach einer langen Pause.

Verlorene Seele.

Wenn du einen Raum betreten hast, wollte jeder dich ficken. Ich habe darüber nachgedacht, es anders auszudrücken. Aber 90% der Männer haben fast einen Ständer bekommen, wenn du angekommen bist. Ohne dass du besonders gut aussiehst.

Du bist auch intelligent. Sehr sogar. Man kann mit dir reden. Was heißt “man” – wir haben stundenlang gesprochen. Du warst meine zweite Seele. Ich habe mich bei dir zu Hause gefühlt, manchmal hast nur du mich verstanden.

Aber du hast erwartet, dass ich dich verstehe. Und dazu ist es nie gekommen. Ich habe dich fast schon geliebt. Und du bist mir immer ein Rätsel geblieben. Irgendwann haben wir angefangen, nicht mehr über dieselben Dinge zu reden. Ich bin weiter gegangen, du bist stehen geblieben. Und ich hoffte, dass dein Freund und seine Liebe dich fangen.

Er hat dich verlassen. Das heißt, ich weiß es nicht. Ihr habt euch getrennt. Für mich hat er dich verlassen, genau wie ich. Heute habe ich erfahren, dass du auch deinen Job nicht mehr machst. Nach zwei abgebrochenen Studiengängen.

Das, was ich gerade fühle, nachdem wir uns zwei Jahre nicht gehört haben und ich dir zum Abschied nur eine kalte Schulter gezeigt habe, ist kein Mitleid. Es ist trauer. Weil ich glaube, dass du verloren bist. Nicht weißt, wo du in dieser Welt hingehörst. Und gerade keine Liebe spürst. Das Wort klingt so ausgelutscht, aber ich meine nichts anderes.

Ich hoffe, dir geht es gut. Ich hoffe, dir wird es besser gehen. Und ich hoffe, du gibst nicht auf.

Weil das Leben kein Kampf sein darf.

Prinz Pi – Elfenbeinturm Video from Keine Liebe Records on Vimeo.