Ich war 15 oder 16, als wir uns das erste Mal trafen. Oder ich dich das erste Mal sah.
Bist du einsam?
Ich habe nicht ja gesagt. Dazu bin ich zu stolz, dazu war ich schon damals zu stolz. Wir haben uns zum Abschied die Hand gegeben, ich bin nach Hause gegangen.
Die Hand geben, was für eine altmodische Geste von dem fremden Schulkameraden, der gerade meine empfindlichste rosa Traumblase zerstochen hat.
Ich glaube die Tränen auf den ersten Metern waren der Anfang. Natürlich, episch, auch ein Ende.
In dem Moment, wenn dich jemand fragt, ob du einsam bist, bist du es schon nicht mehr.
Ich war 16. Unschuldig würde ich es nennen, wenn das nicht so falsch klinge. Null Zynismus, etwas Arroganz (klar), keine Berechnung.
Seit diesen ersten Tränen sind wegen deiner Worte viele weitere geflossen. Viel Wodka, Zigaretten, natürlich habe ich auch deinetwegen zum ersten Mal eingeatmet.
Natürlich war es kindisch. Dieser Text ist kindisch. Für dich zu viel, kitschig, Teenager-Proll-Drama gegen Adorno? Ja, aber deswegen haben wir nie behauptet, einander zu genügen.
Es ist heute vorbei, nichts mehr kindisch, kein Schmerz, keine Eifersucht, Interesse, sicher, keine Neugier, viel Nostalgie.
Ich frage mich nur, nach den paar Jahren: Wenn ich deine Texte lese, von Zigaretten und Blut in abgefuckten Hotelzimmern,
Wo sind die Jahre?


