Lied des Tages: Herr von Grau – Risiko

Heute bin ich über diesen genialen Track gestolpert und kann mich in vielen Liedzeilen einfach wiederfinden. Feinster deutscher Hiphop und Sprechgesang. Das Video ist auch sehr sehenswert. Da wurde doch gleich das Album gekauft. Nach mehrmaligen anhören kann man es eindeutig empfehlen.

Ich such doch gar nix.

Eins.

Gedämmtes Licht, keine Musik, der Geruch der letzten Zigarette in der Luft. Jede Entfernung der Körperteile voneinander weg wie ein Faden, der nicht reißen will. Eine Nacht lang, die Zigarette schüchtern danach, bis zum Morgengrauen.

Ein gutes Frühstück. Eine Anzeige. Ein Anrufbeantworter. Eine Frau.

Well done, dear. You got me there.

Zwei.

Deine Nachricht kommt unerwartet, aber das kommen sie immer. Sie ist anzüglich, aber das sind sie immer. Die Ausnahme diesmal: dein Smiley grinst nicht, er lächelt mich auf der Touchscreen-Oberfläche an. Was ist los, hat die Monogamie dich lieb gemacht oder vermisst du nur den Sex (mit mir) zu sehr?

Anyway, ich lass mich gerne auf eine Mittelmeerinsel einladen, falls du es ernst meinst.

Höfliches nachhaken. Keine Antwort. Weitere Nachrichten, keine Entschuldigung, weitere Vorschläge und immer der Unterton. Stört zwar nicht, aber ich bin nun mal kein Fan von leeren Worten wenn es um horizontale Taten geht.

Drei.

Als ich “Brasilianer” höre schmelze ich förmlich dahin. Du brauchst also nichts mehr anstellen, nimm mich einfach hier und jetzt.

Gut… äh. Okay, dass du es tatsächlich versuchst, auf einer Homeparty bei der jegliche Zimmerschlüssel fehlen hätte ich nicht gedacht. Aber immerhin durften jetzt vier bis fünf (?) Leute feststellen, dass ich auch nackt auf dem Boden mit einem Sitzsack bekleidet eine (würdelose) gute Figur abwerfe. Fuck, it was totally worth it.

Moral:

Ich bin ja nicht einmal auf der Suche nach dem Richtigen. Und habe schon… das (siehe oben). Was zur Hölle würde passieren, wenn ich ernsthafte Paarungs- und Fortpflanzungsrituale initiieren würde?

Mit was verbindest du Leipzig?

Ich hab heute einmal auf Twitter & Facebook herumgefragt, mit was für einen -Wort- die Leute “Leipzig” verbinden. Dabei sind sehr lustige Ergebnisse herausgekommen. Da ich gerade ein neues Projekt anstrebe was sich um Leipzig drehen soll, bin ich auf weitere Antworten gespannt. In der Grafik hab ich eure Antworten einmal zusammengefasst. Mit Tagxedo wurde sie erstellt.

Leipzig

Kleine Momente KW#34

  • im Theater tränen lachen
  • Kinobesuche
  • Brillen ausprobieren und viel Spaß haben
  • sich gegenseitig Aufheitern
  • Spaziergänge
  • Überraschungen
  • Postkarten bekommen
  • ein bisschen romantisch sein dürfen
  • mit dem Mitbewohner Zeit verbringen
  • sich kennen lernen
  • Herbstwetter
  • Nähe

Soziale Mathematik.

Als Martin mich fragte, ob ich hier mitschreiben möchte habe ich ihn gewarnt: viel positiver Moment-genießen-Gedankenkrams geht mir zur Zeit nicht durch den Kopf. Was mir sonst so durch den Kopf geht, ich so mache & wer ich bin: dazu später.

Erstmal: Wo ist die Momentfreude, das Schnuppern, das Lachen, die Tränen und die Wut geblieben?

Bei mir werden sie von Enttäuschung gefressen. Immer wieder, mal hat sie mehr, mal hat sie weniger Hunger.

Kürzlich war ein eine gute Freundin nicht da als sie gebraucht wurde. Sie hatte vorher versprochen da zu sein. Und es steht auch nicht zur Diskussion, ob sie in diesem Moment rein OBJEKTIV betrachtet hätte da sein müssen. Sie hat nicht reagiert, nicht geholfen, keine Gefühle gezeigt und dadurch ihre kalte Schulter offenbart.

Warum reagiere ich, die ich gar nicht direkt betroffen war nun verletzt? Warum lasse ich mich zerfressen?

Weil ich für die Hand voll Leute, die in meinem Herzen sind, sterben würde. Nach Sibirien reisen. Umzugskisten vom sechsten in den sechsten Stock tragen. Alle Verabredungen und Termine absagen. Würde, wenn ich könnte, wenn ich sollte.

Manchmal soll ich es, manchmal mache ich es. Um am Ende, genau, alleine da zu stehen. Das ist nicht neu. Neu ist folgendes:

Eine Stunde mit einem “Freund”, sozialen Kontakt, bringt mir Small-Talk, Informationen die ich nicht brauche, im seltensten Fall, fast nie, einige neue Einsichten in die Welt, andere oder mich.

Eine Stunde in einem Büro, mit Zeiterfassung, bringt mir eine gute Zahl an Euro.

Nach der Stunde mit dem Freund mache ich mir eventuell Gedanken. Sorge mich um ihn, melde mich bei ihm und bekomme: Offensichtlich nichts.

Nach der Stunde auf Arbeit mache ich mir keine Gedanken oder Sorgen. Gehe nach Hause und bekomme: ein fettes Gehalt, je länger ich da war.

Das ist zur Zeit meine Mathematik. Sie klingt hart, sie wird keinen ewigen Bestand haben, irgendwann muss ich wieder philosophieren, Scheiß erzählen, gemeinsam shoppen oder ins Kino gehen. Aber bis dahin: erstmal Bündel für Bündel, um es mit Azad zu sagen.

kurzer Gedanke #1

Bild von Anne M.

Sauer & keine Ahnung warum.

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Bild ist während eines Shootings mit Anne M. entstanden.

Gedanken zur Nacht #1449

Auf dem Heimweg aus dem Büro verzögerte eine rote Ampel mein Ankommen im Ziel.

Während ich da stand und wartete, musste ich plötzlich an und über dich nach-denken.

Ich frage mich, ob du das vielleicht auch manchmal tust – aber mein letzter Schluckauf ist schon eine ganze Weile her.

Proxemik.

“Nennen Sie die vier bekanntesten Distanzzonen des Menschens und ordnen Sie Ihnen die für unsere Kultur geltenden Zentimeterangaben zu!”, lautete eine der Prüfungsfragen meiner Lieblingsprofessorin im zweiten Semester. Die Antwort kennen inzwischen nicht nur Schüler, die das Glück haben Sozialkunde, oder Psychologie als Unterrichtsfach belegen zu können: Öffentliche Distanz (über 360 cm), Soziale Distanz (120 bis 360 cm), Persönliche Distanz (45 bis 120 cm) und schließlich die Intimdistanz, welche darunter liegt. Gemeint ist damit also der Abstand zweier Körper, den wir – abhängig vom Verhältnis, in dem wir zu unserem Gegenüber stehen – als angenehm empfinden. Dieser variiert natürlich von Kultur zu Kultur, aber auch von Mensch zu Mensch. Die meisten von uns wissen jedoch “einfach aus dem Bauch heraus”, wie viel Nähe sich noch gut anfühlt.

Andere leider nicht: Diese zwanghaften Küsschengeber zur Begrüßung – und weils so schön war auch noch einmal zum Abschied. Der Mann, der sich an der Schlange im Supermarkt so extrem deinem Rücken nähert, dass du denkst er möchte dir gleich in den Nacken beißen. Die Frau, die dir in einem eigentlich leeren Aufzug so unglaublich nahe kommt, dass du am liebsten noch einen Schritt zurück gehen würdest, wäre da nicht schon eine Wand im Weg. Und die Horde Jugendlicher, die sich auf der Rolltreppe ganz eng an dir vorbeischiebt, sodass die erste Bewegung reflexartig dem Schutz deines Tasche gilt. Abgesehen von diesen fremden Menschen gibt es dann noch diese typischen “Bekannten”, die uns ständig während des Gesprächs auf die Schulter klopfen, das Bein berühren oder unseren Arm streifen müssen. All diese Situationen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – zeichnen sich dadurch aus, dass uns ein unangenehmes Gefühl ereilt, denn jemand bricht in unsere intime Zone ein, ohne dass er dort erwünscht ist.

Hat sich ein Mensch jedoch erst einmal durch Gespräche, Zuneigung, Freundschaft, Vertrauen oder gar Liebe den “Zutritt” in unsere letzte Distanzzone verschafft, fühlt es sich alles andere als unangenehm an: Diese Nähe wird wichtig, sie dient uns als Ausdrucksmittel der Verbindung und (un-)bewusst suchen wir sie von da an immer und immer wieder.

Denn eine Umarmung, das Anlehnen an einer Schulter oder das Ineinanderlegen zweier Hände sprechen oft genau dann, wenn Worte nicht mehr ausreichen.

Dear Grandma,

ich fühle mich schlecht. Ich melde mich viel zu selten bei dir. Seitdem du nach HannoveMix-(143-von-209)-Bearbeitetr gezogen bist, haben wir eigentlich so gut wie gar keinen Kontakt mehr. Früher in meiner Kindheit, warst du noch ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich bin immer nach der Grundschule zu dir gekommen und du hast mir etwas leckeres gekocht. Wir haben zusammen “Familienduell” oder “der Preis ist heiß” geguckt. Kurz vor Weihnachten durfte ich die ganzen Räuchermenschen aus dem Zeitungspapier wickeln und sie alle in eine Reihe stellen. Wenn ich das erledigt hab, hast du mir oft einen geschenkt und ich hab mich riesig gefreut. Du warst ein großer Teil meiner Kindheit.  Das letzte was ich dir gutes getan hab, war eine Blume die ich dir vor 2 Jahren zum Frauentag geschenkt habe.

Heute lebst du in Hannover, bei deiner Tochter.
Heute hat mich dein Sohn angerufen.
Heute hast du einen Schlaganfall erlitten.

Ich bin innerlich so zerrüttet das mir nur noch diese Zeilen helfen. Hoffentlich geht es dir bald besser. Ich drücke alle Daumen dieser Welt, das man die verlorene Zeit vielleicht doch noch etwas aufholen kann. Gute Besserung. Ich hoffe ich sehe dich bald.

Bis bald.
Dein Martin

Hipster & Nerd – Bullshitt.

Wikiepdia sagt: Der Hipster ist eine modernere, amerikanische Ausprägung des europäischen Bohemien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Prägend für das Rollenmodell waren Fotovor allem zwei Gruppen seinerzeit avantgardistischer Künstler, nämlich die (vorwiegend schwarzen) Musiker, die mit dem Bebop den modernen Jazz aus der Taufe hoben, und die (größtenteils weißen) Dichter, die heute unter dem Begriff Beat Generation zusammengefasst werden.

Diese ganze Hipster Bewegung (die zum Glück noch nicht ganz in Leipzig angekommen ist) geht mir tatsächlich auf die Nerven. Bei mir dauert es schon einige Zeit bis mich etwas tierisch stört. Aber ständig lese ich und sehe ich: Wie cool kleine 17 Jährige Mädchen sich 20 qm große Glaslose-Brillen aufsetzen & sich in abgefuckten Posen vor die Kamera werfen. Diesen ganzen Style so offensichtlich nach Außen zu tragen, übersteigt meine Sinne.  Entweder ich bin so intelligent und nerdig drauf weil ich es wirklich bin oder aber viele schwimmen einfach nur auf dieser Trendwelle mit, die sich hoffentlich in ein paar Monaten wieder erledigt hat. Ja klar, jeder möchte Individuell im Style sein, aber was da gerade geschieht ist einfach nur die 100. Kopie von etwas vorhandenen. Ich bin auch individuell, mit dem was ich mache, was ich eventuell schaffe. Wie sagt es Casper im letzten Splash-Mag Interview so schön: “In Berlin, findest du jemand der dir dein Dach konstruiert, der einen Event zum Richtfest veranstaltet, du findest auch jemand der eine Fotoausstellung zum Richtfest bereit hält, aber du findest niemanden mehr, der dir dieses Dach baut.”

Wenn man den Lauf des menschlichen Schicksals genau beobachtet, so wird man sehen, daß die Oberflächlichkeit zu allem führen kann, was es nur Schlimmes und Schlechtes in der Welt gibt.
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Madame de Stael